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Uns fiel die junge Künstlerin erstmals beim Neustadter Puppenfestival
auf.
Die für ein solch junges Talent ungewöhnliche Qualität
ihrer Objekte machte uns neugierig.
Wir besuchten Sabine Vogel in ihrer Heimatstadt Bielefeld und waren erstaunt
und überrascht zugleich!
Die sehr bescheidene 27jährige ist als Puppenkünstlerin in beinahe
allen Kriterien eine Ausnahmeerscheinung und fällt aus jedem Raster.
Für eine Puppenkünstlerin ist sie nicht nur an Jahren sondern
auch an Erfahrung jung. Erst seit drei Jahren fertigt sie ihre beweglichen
Figuren aus Porzellan. Das Talent fürs Modellieren steckt auf eine
geheimnisvolle Weise in Ihren Händen.

"Ein Faible
für das Modellieren hatte ich eigentlich schon immer"
bekräftigt Sabine Vogel. Sie hat nie einen Puppen oder Modellierkurs
belegt und sie hat auch nur einmal eine Reproduktion einer Künstlerpuppe
angefertigt. Aber im Alter von zehn Jahren hatte sie bereits erste Modellierversuche
mit Ton gestartet, die eigentlich nicht wie "Versuche" aussehen.
Einige Jahre später - als Vorlage diente ein Buch - entstand ein
tanzender Indianer aus Keramik, bereits mit ausmodellierten Details.

Vor drei Jahren dann begann sie, sich mit dem Thema "Puppe"zu
beschäftigen. Das notwendige technische Wissen eignete sie sich selbst
an: Sie las Bücher zum Thema Formenbau und unterhielt sich mit anderen
Künstlerinnen, die mit Porzellan arbeiteten. Sie schaute sich antike
Puppen mit Gelenken an und studierte anhand von Anatomiebüchern die
Proportionen des menschlichen Körpers. Schließlich entwickelte
sie ihre beweglichen Figuren aus Porzellan mit den 14 Gelenken ( die übrigens
völlig anders als die bekannten Gelenkpuppen gefertigt sind ), so
dass eine größtmögliche Bewegung und Stellung möglich
ist.
Die Puppen sind wohl das, wonach ich unbewusst immer
gesucht habe, um mich künstlerisch voll entfalten zu können"
so Sabine Vogel. Wie Recht sie damit hat, zeigen die Erfolge, die sich
beinahe auf Anhieb einstellten. 1992 stellte sie ihre Objekte auf dem
"European Doll Guild Congress" in Hamburg aus und erhielt für
dem Punker "Rufio" den Sonderpreis für die beste Idee.
Hier knüpft sie auch erste Kontakte mit anderen Puppenkünstlern
und erhielt einen Einblick in die Puppenszene.
Es folgten verschiedene Ausstellungen in der Umgebung von Bielefeld. 1994
beteiligte sie sich am "Gläsernen Feenstab" (Internationaler
Preis für Puppenkunst) und gewann auf Anhieb hier den Publikumspreis.

Wo hat sie nur diese tollen Design-Ideen her, mit denen sie die beweglichen
Figuren entstehen lässt?
Das sie ganz einfach, meint Sabine Vogel. Sie sieht viel fern, geht oft
ins Kino und marschiert überhaupt mit offenen Augen
durch die Welt.
Irgendetwas muss sie an einer Figur oder einem Gesicht faszinieren, um
sie in Porzellan entstehen zu lassen. Auftragsarbeiten oder Porträts
nach Vorlage mag sie daher nicht so gerne fertigen.
Einen besonderen Reiz hat für die Künstlerin der Entstehungsprozess,
der Vorgang, währenddessen eine Idee Gestalt annimmt. Vorzugsweise
modelliert sie junge Menschen, weil ihr Kinder zu lieb und noch nicht
aussagekräftig genug sind.
"In Kindergesichter lässt sich zuviel
hineininterpretieren. Bei jungen Menschen ist schon ein charaktervoller
Gesichtsausdruck vorhanden, der aber wiederum noch nicht so ausgereift
und entwickelt ist wie bei alten Menschen"
Sabine Vogel fertigt nur Einzelstücke oder kleine Serien. Etwas anderes
momentan auch nicht möglich, denn die junge Künstlerin hat lediglich
einen kleinen Raum zum Modellieren, Malen, Schleifen und Nähen. Der
Brennofen befindet sich im Keller und noch läuft das künstlerische
Leben trotz der Erfolge eher "so nebenbei". Im Hauptberuf ist
die junge Frau Floristin. Den Puppen zuliebe wurde der Beruf schon ein
wenig reduziert, aber so ganz aufgegeben werden soll er zumindest im Moment
noch nicht.
Sabine Vogel ist zu realistisch, um nach einigen Erfolgen gleich alles
andere aufzugeben.
Sie gehört in allem zu einer neuen Generation
von Puppenkünstlerinnen:
Bescheiden und dabei selbstbewusst stehen sie dem eigenen Können
durchaus auch kritisch gegenüber. Mit brillanten, außergewöhnlichen
und völlig neuen Ideen schaffen sie eine Puppenkunst, die Qualität
und Originalität zu vereinen weiß.
(Text Christiane Freitag/ Fotos Sabine Vogel)
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