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VON SYLVIA TETMEYER
Sie könnten lebendig sein: Wer das Atelier
von Sabine Vogel betritt, macht Bekanntschaft
mit dem Herumtreiber Manuel,
trifft auf einen Asiaten, der ganz verrückt
nach goldenen Ringen ist, und lernt den Traumprinzen
kennen, der durch ein Fernrohr schaut, um den
Wünschen der Menschen auf die Spur zu kommen.
"Bewegliche Menschen aus Porzellan",
nennt die Puppenkünstlerin ihre Figuren,
die höchstens 60 Zentimeter groß sind.
Dabei wirken die "Homo Gracilis", wie
die Schildescherin ihre Kunstwerke nennt, nicht
nur echt, sie haben auch eine Geschichte. Der
Punker Willi beispielsweise
tätowiert sich für jede Sünde einen
Stern auf den Arm. Außerdem versucht er,
sich das Rauchen abzugewöhnen - und Gitarre
zu spielen.
Die erste bewegliche Puppe fertigte Vogel bereits
als Zwölfjährige: "Ich habe ein
Piratenschiff gebaut und brauchte natürlich
Piraten." Später kam dann die Indianerphase.
Aus getrocknetem Ton entstand ein Indianermädchen
mit Haaren aus schwarzer Seide.
Um ihre Kreationen beweglicher zu machen, beschäftigte
sich Sabine Vogel mit Anatomie, später mit
Kunst. Ihr Beruf als Floristin, den sie bis vor
sieben Jahren ausgeübt hat, bezeichnet sie
als "wertvolle Erfahrung", weil sie
viel über Formen, Farbe und Gestaltung gelernt
habe.
Ihr Schlüsselerlebnis hatte sie 1988: "Da
habe ich in London Madame Tussaud's besucht. Das
war so, als ob man plötzlich wach wird."
Der Wunsch, lebensechte Figuren zu schaffen, war
geboren. Dann dauerte es noch 14 Jahre, bis die
kreative Frau mit den langen blonden Haaren ihren
Beruf an den Nagel hängte, um sich als Puppenkünstlerin
selbstständig zu machen. "Eine zeitlang
habe ich es nebenbei gemacht, hatte aber dann
keine Freizeit mehr." Bereut hat die Bielefelderin
ihren Entschluss nie: "Ich mache jetzt das,
was schon immer in mir steckte."
Dabei formt sie nicht nur die Modelle aus Plastilin,
von denen sie eine Gipsform anfertigt, die sie
später mit Porzellan ausgießt, sie
entwirft auch die Kleidung und gestaltet die Umgebung
ihrer "Persönlichkeiten".
Einige davon könnten aus Fantasyfilmen stammen,
andere ähneln Märchengestalten. Zurzeit
tüftelt Vogel an einem neuen "Körper",
der ihre Porzellan-Menschen noch beweglicher macht.
Dazu baut sie Gelenke mit zwei Holzkugeln in die
Ur-Modelle der Arme ein. "Damit können
sie die Ellenbogen um 180 Grad anwinkeln",
erklärt die Künstlerin. Da jedes Teil
einzeln modelliert wird, braucht sie für
die Entwicklung eines Modells mehrere Monate.
Um den Punker Willi
oder den Bürgermeister Herrn
Nimtsch möglichst lebendig aussehen zu
lassen, erhält die Puppenkünstlerin
spezielle Augen von einem Glasbläser.
Auch als Schriftstellerin betätigt sich die
vielseitige Künstlerin. Im Internet erfahren
Fans neues aus dem Nestreport.
"Dort erzähle ich die Geschichten, die
meine Porzellan-Menschen erleben."
Nur elf Zentimeter groß ist der Elfling,
der an einer Pusteblume fliegt. "Um die Finger
zu modellieren, brauchte ich ein Vergrößerungsglas."
Sabine Vogel zeigt ihre Figuren mehrmals im Jahr
auf Puppenausstellungen in ganz Deutschland. Den
ersten Preis erhielt sie 1992 für den Punker
Rufio. 1994 bekam sie
für Manu - ein Junge aus der Urzeit den "gläsernen
Feenstab" eines Duisburger Verlagshauses.
2003 folgten der Max-Arnold-Kunstpreis und zwei
Preise bei einem internationalen Wettbewerb in
Oberhausen. Im kommenden Jahr erscheint ein Buch
über aktuelle Puppenkünstler, in dem
die Gellershagenerin ebenfalls vertreten sein
wird. Mehr Informationen gibt es im Internet unter:
www.sabinevogel.com
(syl)
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