Sabine Vogel `s Nest
 

 


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_________ Der Nestreport __________
Prolog & Kapitel 1 ~ Ein Schnäppchen mit Folgen

~ Prolog

Ein war ein lauer Samstagmorgen im Sommer des Jahres 2006.
Bielefeld lag heute unter einem strahlend blauen, mit kleinen Schäfchenwolken gespickten Himmel. Die Sonne schien auf dieses friedliche Bild herab - auch auf die imposante Sparrenburg, Zeugnis einer bewegten Vergangenheit der ehrwürdigen Stadt


Sie liegt auf dem Sparrenberg hoch über Bielefeld.
Der in den Himmel ragendem Turm mit der Flagge Bielefelds, ist weit über das Land sichtbar.

Die Festungsanlage mit ihrem 300 Meter langen unterirdischen Gangsystem diente schon 1250 dem derzeitigen Landesherren,
Graf Ludwig von Ravensberg und seinem Gefolge als Verwaltungs- und Wohnsitz.
Die Burg wurde zwar mehrfach belagert, auch wechselten die Besatzungen, dennoch nie erobert. Von den Jahrhunderten verwittert, präsentiert sich die Sparrenburg in ihrer mächtigen Gestalt über Bielefeld.

In Sichtweite, unterhalb des Hügelkammes des Teutoburger Waldes, liegt die Universität, an der schon viele, inzwischen mehr oder weniger ruhmreiche Menschen ihr Studium absolviert haben. Einmal in der Woche, am Samstag, werden der Parkplatz und das angrenzende Parkhaus der Uni nicht von abgestellten Automobilen, sondern von unzähligen Tischen eingenommen. Darauf und drum sind allerlei Kuriositäten und Firlefanz aufgehäuft.

Heute war es selbstverständlich auch nicht anders. Flohmarkt!

 

Es gab fast alles; Von Omas ausrangiertem Blumentopf mit Sprung, über Fahrradschläuche, abgetragenen Jeanshosen, bis hin zum antiken Waschtisch mit Marmorplatte und Porzellanschüssel.


Ich hatte noch keine Ahnung zu welch denkwürdigem Tag sich dieser unschuldig wirkende Sommermorgen entwickeln, und welche unglaublichen Ereignisse in den kommenden Stunden ihren Anfang nehmen würden.

1 ~ Ein Schnäppchen mit Folgen

Nachdem ich mich durch einige Bücherkisten gewühlt hatte, betrachtete ich gerade eine entzückende silberne Zuckerdose, doch diese war fürs Erste vergessen, als mein Blick auf ein altes Öllämpchen aus Messing fiel. Es stand halb versteckt hinter einer auf dem Tisch liegenden Kuckucksuhr mit nur einem Zeiger. Neugierig griff ich nach dem Gegenstand - aus unerfindlichen Gründen fand ich ihn sehr inspirierend, er schien mir zuzuflüstern: [I]Nimm mich mit! [/I], Die Lampe war viel schwerer als erwartet, und leider auch sehr schmutzig und angelaufen. Um sich dieses unscheinbar wirkende Lämpchen als hübsches Dekorationsobjekt vorzustellen war schon viel Fantasie nötig.
Glücklicherweise besitze ich reichlich davon, sah also vor meinem geistigen Auge schon ein glänzendes Öllämpchen auf meinem Regal im Wohnzimmer stehen.
Nach ein bischen hin und herfeilschen machte ich mich mit dem Gedanken, ein ordentliches Schnäppchen gemacht zu haben, besagter Öllampe in meiner Tasche und mit mir und der Welt zufrieden auf den Weg nach Hause.

 

 

 

 

Nachdem ich endlich ein weiches altes Tuch und die Polierpaste gefunden hatte, versuchte ich mich daran, meine süße kleine Neuerwerbung auf Hochglanz zu bringen.

Doch kaum hatte ich angefangen zu wienern, schlängelte sich plötzlich ein dünner Rauchfaden aus der Spitze. Vor lauter Schreck ließ ich die Lampe fallen. Der ausströmende Rauch verdichtete sich und nahm die Gestalt eines kleinen, merkwürdig gekleideten Mannes mit einer noch seltsameren Haartracht an.
Wie erstarrt stand ich da, ohne noch reagieren zu können. Lediglich der herumwirbelnde lange Zopf war noch zu sehen, als er sich auch schon die leere Lampe schnappte, um mit ihr auf ein Regal in der Ecke des Wintergartens zu flüchte.

Wenn ich meinen Augen trauen wollte, dann saß da tatsächlich ein echter Dschinn - den es eigentlich nur in Märchen hätte geben dürfen. Mir schlug das Herz bis zum Hals; sicherlich schaute ich mindestens ebenso verdattert drein, wie der Dschinn ängstlich.


Er trug eine zartgrüne, seidene Pluderhose und einen dunklen Lendenschurz, an dessen Ecken goldene Perlen baumelten.
Sein Oberkörper wurde von einer Weste, mit Zick-Zack-Schnürung bedeckt, deren Ränder mit ledernen Bändern eingefasst waren.

An den Ohrläppchen der Spitzohren, den Daumen und den großen Zehen, glänzten goldene Ringe und sein Dschinn-Zopf entsprang einem trichterartigem, goldenen, Haarschmuck auf dem sonst kahlen Kopf.

Er schien einiges für Schmuck übrig zu haben, denn auch an seinen Oberarmbändern und der Halskette baumelten filigrane, goldene Perlen.

Der Dschinn hatte eine helle Haut und wirkte, vom ganzen Wesen her, sehr zart.

Ganz anders als ich mir einen Dschinn immer vorgestellt hatte. Mit seinen großen, blauen, von langen Wimpern umrahmten Augen schaute er mich an.

 


Der Dschinn hatte fürchterliche Angst, dass ich ihn wieder in die Lampe sperre. Nachdem ich mich aber einigermaßen beruhigt und ihm feierlich versprochen hatte, dass ich das nur tue, wenn er sich nicht ordentlich benimmt, kam er vorsichtig etwas näher.

"Ich bin Doran", sagte er, "und ich war ein paar hundert Jahre in der Lampe eingesperrt."

"Und warum?" fragte ich verwundert und bevor ich mich versah war auch schon "Kannst du denn auch Wünsche erfüllen?" heraus.

Doran errötete leicht und rückte schnell ein wenig aus meiner Reichweite. Er nestelte nervös an seinem Zopf; es schien ihm einiges an Überwindung zu kosten, mir zu antworten.

"W-wegen der Wünsche steckte ich ja in der Lampe... das habe ich nie so hingekriegt, wie meine Besitzer es haben wollten... ich glaube, ich bin nicht so richtig gut in Wünsche erfüllen."

Beim Gedanken an seinen früheren Besitzer zuckte er merklich zusammen. Nicht weiter erstaunlich, dass er seine Lampe noch immer fest umklammert hielt. Seufzend beschloss ich, mich über gar nichts mehr zu wundern. Dieses Erlebnis war geradezu surreal - da saß ich in meinem höchstpersönlichen Wintergarten und plauderte mit dem eigenartigsten Wesen, das man sich vorstellen konnte.


Diese Gelegenheit würde sicherlich nicht so schnell wiederkommen, also löcherte ich ihn mit Fragen.

Doran bestätigte mir, dass die alten Erzählungen nicht logen - jeder, der einen Dschinn befreite, hatte drei Wünsche frei. Allerdings riet er mir dringend, von diesen abzusehen, selbst als er mir die Lampe wieder aushändigte. Er hatte wohl etwas Vertrauen zu mir gefasst.

Natürlich verriet ich ihm nicht, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wie ich ihn wieder in sein "Gefängnis" schicken konnte - selbst wenn ich das gewollt hätte. Ich musste mir eingestehen, dass er mir noch immer ein wenig Angst machte.

Dennoch, Wünsche erfüllt zu bekommen war schon etwas, was ich mir nicht entgehen lassen wollte. "Was könnte denn schief gehen?"

"Ziemlich viel, zumindest in meinem Fall...", brachte Doran heraus.

Er schaute er sich um, offensichtlich wollte er von diesem für ihn unangenehmen Thema ablenken: "Schon Ewigkeiten habe ich keine Blumen gesehen... darf ich in den Garten hinaus?"


 

 

 

 

"Warum nicht, natürlich... schau dich um..."

Ich schob ihm die Wintergartentür auf und er lief hinaus.

Fasziniert beobachtete ich, wie er sich ebenso fasziniert umsah, an allen möglichen Blüten schnupperte, und letztendlich die Vogeltränke entdeckte.


 

 

 

 

 

 

 

"Das Wasser fühlt sich gut an.",
Doran genoss wie das kühle Nass seine Fingerspitzen umspülte.

 

 

 

 

 

"Ich hatte in all den Jahren beinahe vergessen, wie schön die Welt ist", seufzte der Dschinn und eine Träne lief ihm über die Wange.


 

 

 

 

"D-darf ich hier bleiben?
Ich weiß doch nicht, wo ich sonst hin soll." fragte er mit einem flehentlichen Blick.

Diese Geschehnisse sind jetzt beinahe ein Jahr her. Wer hätte angesichts dieser schüchternen Bitte schon nein sagen können? Doran hatte sich inzwischen gut im Nest eingelebt und fühlte sich hier sichtlich wohl.

Für mich war es eine große Umstellung, plötzlich einen Dschinn im Haus zu haben. Der scheue kleine Mann verfügte über unheimliche Kräfte. Mir nichts dir nichts, konnte er sich in Rauch auflösen, und ebenso schnell an einem ganz anderen Ort, wie aus dem Nichts, erscheinen. Einmal hatte er mich so erschreckt, dass er mir versprechen musste, dieses im Haus sein zu lassen. Bevor mir irgendwann noch das Herz stehen bleibt.

Meine drei Wünsche hatte ich mir noch ein wenig aufgehoben...

~ * ~

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Abspann

Der Nestreport berichtet über die wahren und aufrührenden Begebenheiten in Vogelnest.
Jede Ähnlichkeit der Personen, Charaktere und Namen im Nestreport mit lebenden, historischen oder anderen fiktiven Personen und Charakteren sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Text und Bilder: ©Sabine Vogel
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