Sabine Vogel `s Nest
 

 


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_________ Der Nestreport __________
Kapitel 4 ~ Scherbat Nimtsch

 

 

 

Ich war gerade dabei die mini Kekse, die ich für Doran gebacken hatte, auf den kleinen Tisch zu stellen.

Eigentlich war der Tisch kein Tisch, sondern eine zweckentfremdete Fußbank, die ich auf dem Sperrmüll gefunden hatte. Mit ein bisschen schrubben und einem neuen Anstrich, war ein wunderschöner Tisch daraus geworden. In genau der richtigen Größe für Doran und seine Freunde.

 

Was geschehen ist, dass die ganzen kleinen Leute auf einmal in unsere Welt kamen weiß ich auch nicht genau. Aber nach dem, was Doran und Manuel mir erzählt haben, gibt es unweit des Vogelnestes eine art Durchgang.

Die Welt dahinter muss so ähnlich sein wie unsere, nur das dort Menschen leben die sehr viel kleiner sind als wir.

Vielleicht haben sich unsere Wege irgendwann in der Evolution getrennt und außer den "Homo sapiens", also uns, hat sich noch ein andere Zweig Menschen entwickelt, die "Homo gracilis", die Kleinen, oder auch die Beautiful Beasts, wie ich sie manchmal nenne. Sie sind gerade mal sechzig Zentimeter groß, sehr feingliedrig und...na ja, ich schweife ab.

 


Also, ich war gerade dabei die mini Kekse, übrigens schwarzweiß Gebäck und Spitzbuben, auf besagten Tisch zu stellen, als es an der Haustür klingelte.
Ich öffnete sie und blickte hinaus, aber da draußen stand niemand. Ein Klingel-Streich?

"Einen schönen guten Abend." Erklang da plötzlich eine belustigte Stimme in Höhe meiner Knie.

"Oh...Guten Abend." Erwiderte ich ein wenig erstaunt über denn Anblick, der sich mir bot. Auf meiner Fußmatte stand ein kleiner, alter Mann, mit langem, weißem Bart, rot-weiß geringelter Wollmütze mit Bommel, ebensolchen Socken, einer grünen, mit Gold verzierten Jacke, Nickerbocker-Hose und braunen Samtpantoffeln.
Er sah fast genauso aus, wie ich mir den Weihnachtsmann immer vorgestellt hatte.
"Ist es nicht etwas zu früh?" fragte ich, denn bis Weihnachten waren noch ein paar Tage hin.


Er lächelte zu mir hoch und schob sich die silbern gefasste Brille auf der Nase zurecht. "Wie man's nimmt, für manche Dinge ist es zu früh, wie es für andere zu spät ist, aber befassen wir uns doch lieber mit der Gegenwart.

Gestatten sie, dass ich mich vorstelle; mein Name ist Scherbat Nimtsch." Er verbeugte sich höflich. "Ich bin der Bürgermeister des kleinen Dorfes gleich hinter der Grenze. Doran der Dschinn, der bei ihnen wohnt, berichtete mir von ihrer wunderbaren Kellerwerkstatt.
Wissen sie, ich beschäftige mich in meiner Freizeit mit Erfindungen aller Art und wurde mir ihre Werkstatt sehr gerne einmal ansehen. Würden sie mir die Freude machen? Wenn es ihnen ein andermal besser passt komme ich auch gerne wieder, ich möchte ihnen keine Umstände machen."


"Aber nicht doch, kommen sie bitte herein. Ich freue mich ihnen den Keller zeigen zu können. Mein Opa hat da früher oft gewerkelt und als Kind war das einer meiner liebsten Plätze im Haus", antwortete ich und deutete ihm einzutreten.

 


 

 

 

 

Herr Nimtsch war mir mit einem erwartungsvollen Lächeln gefolgte und schaute sich nun interessiert im Keller um.

"Wunderbar, einfach wunderbar! Eine Bohrmaschine, die funktioniert mit Strom, nicht war."

 

 

 

 

Fasziniert drehte er den Stecke in den Händen."Man muß nur diesen Stecker in die Steckdose stecken und schon erwacht die Maschine zum Leben, ja, ja. Elektrizität gibt es bei uns nun leider nicht."

 

 

 

 

"Sie haben keinen Strom?" Fragte ich verdutzt.

"Nein, bis jetzt sind wir ganz gut ohne ausgekommen, aber man soll sich dem Fortschritt ja nicht verschließen, auch wenn es manchmal von Vorteil ist." meinet er, rieb sich gedankenverloren an der Nase und ließ seinen Blick über die Kästchen mit den Schrauben und Nägeln gleiten.

"Oh, Messingschrauben, darf ich." Ohne eine Antwort abzuwarten zog er das Kästchen heraus und untersuchte die Schrauben.


 

 

 

 

 

Dann entdeckte Herr Nimtsch die Schraubenzieher.
"Schraubenzieher! Wunderbar...

So ging das noch eine Weile weiter, Herr Nimtsch war schlicht weg aus dem Häuschen.



"Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als ab und zu hier in ihrem Keller zu werkeln. Mir liegen da ein paar nette Erfindungen im Sinn, die ich gerne verwirklichen möchte und das hier," er machte eine ausladende Bewegung durch den Raum, "ist genau das, war ich dafür brauche."

Herr Nimtsch blickte mich so erwartungsvoll an wie ein kleiner Junge der ein Eis möchte, da konnte ich natürlich nicht nein sagen und nickte ihm lächeln zu. "Wenn es ihnen eine Freude macht, Herr Nimtsch."

"Wunderbar, viele, vielen Dank! Aber bitte nenne sie mich doch Scherbat", strahlte er mich an.


.

 

Ich lud ihn noch auf ein paar Kekse und eine Tasse Tee ein. Er gab mir eine Tüte Bonbons und Marzipankartoffeln für Doran, erzählte mir noch ein bischen vom kleinen Dorf und den Leuten die da wohnten und hörte mir gespannt zu, als ich ihm auf seine Fragen nach Strom und all den Dingen antwortete die wir Großen so haben.


Herr Nimtsch, hat die letzten Tage oft im Keller gewerkelt und ich meine auch ein paar Geschenkpäckchen mit Schleifen drum gesehen zu haben.

Doran ist im Moment ständig unterwegs, er kommt nur kurz ins Nest, um in irgendwelchen Büchern zu lesen oder Landkarten zu studieren und dann ist er auch schon wieder fort.
Als ich ihn gefragt habe was er denn so treibt, sagte er mir nur, dass er einen Grafen befreien wolle, irgendwo in Pranztillianien und jetzt endlich herausgefunden hätte, wo das Schloss des Grafen liegt.


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Abspann

Der Nestreport berichtet über die wahren und aufrührenden Begebenheiten in Vogelnest.
Jede Ähnlichkeit der Personen, Charaktere und Namen im Nestreport mit lebenden, historischen oder anderen fiktiven Personen und Charakteren sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Text und Bilder: ©Sabine Vogel
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